Tag 1
Aufbrechen in Herr Gotts Fruehe und mit dem Auto ins benachbarte Glenochy fahren. Dort ein Shuttle zum Start des Tracks buchen. Es sind etwa 9 Personen, die gesamt heute starten. Viel weniger als auf dem Kepler Track, wo wir etwa 50 Leute pro Nacht waren (!) und ein Vermoegen fuer die Uebernachtungen bezahlt haben. Ich bin verdammt froh, dass ich mir in Invercargill noch Gaiters zugelegt habe - Schutz fuer die Schuhe, dass sie nicht nass werden, sowohl von innen als auch von aussen. Das Gebiet ist sumpfig, es gibt keine Wege. Fluesse muss man ueberqueeren, es gibt keine Bruecken. Bis zum Schienbein stecke ich dann doch schonmal im Schlick - es stinkt nach fermentierter Biomasse. Der Fluss findet dann doch einen Weg in einen Schuh - halb so wild, denn hier kommt keiner mit trockenen Fuessen durch! Nach der sumpfigen "Steppe" fuehrt der Weg bergan durch den Wald. Ein harter Tag und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Es kommen uns Zweifel auf, ob wir die erste Huette verpasst haben. Der Weg zieht und zieht sich, die Glieder sind muede. Zwar sind es weniger Kilometer als beim Kepler, dafuer ist die Landschaft unwirscher und das Gepaeck schwerer. Endlich taucht das Haeuschen auf. Rauch steigt aus dem Kamin auf, einladend wirkt es sofort fuer uns beide und wir beschleunigen die letzten hundert Meter ueber die Stahl-Holz Bruecke, die uns von der anderen Seite noch trennt. Heimelig ist es im Heuttchen, schoen warm und bei einer Suppe und einem heissen Tee kommen langsam die positiven Seiten des Wanderns und Ankommens zurueck......
Tag 2
Die Sonne ist noch nicht ueber die Berge gekommen, es ist mal wieder recht kalt im Fruehstuecksraum. Kaum ist die Sonne weg oder noch gar nicht da, ist es sau kalt - ist sie da, braucht man Sonnencreme. Das soll ein Mensch verstehen. Heute geht es gen Sattel, kraxeln ist angesagt aber dafuer weniger nasse Fluss Ueberquerungsmomente. Nach Auskunft eines ausgewanderten Britens und Biologens ist das heutige Ziel die schoenste Huette auf dem ganzen Track. Unterwegs landen Kea's ganz in meiner Naehe, kann einen sogar direkt vor die Kamera bekommen. Allerdings sind die Voegel bzw. einzigen alpinen Papageien der Welt recht keck und scheuen nicht vor Zerstoerung fremder Kleidungsstuecke. Also Abstand halten und behaende weiterknipsen. Auf dem Sattel erwartet uns ein wunderbarer Ausblick. Gerd, ein dt. der heute etwas vor uns aufgebrochen ist, sitzt schon auf der hoechst erklimmbaren Position mit seinem Lunch Vorrat und laesst es sich gut gehen. So verbringen wir also 45 min an einer tollen Position, dazu Tee kochen und Mittag essen. Berge in allen Richtungen, ein Tal mit einem in den Berg gefressenen Fluss zu unseren Fuessen. Jenes laufen wir denn auch entlang, steigen wieder die 550 Hoehenmeter ab die wir vorher aufgestiegen sind. Etliche Fotopunkte, Felsen, Bruecken und interessante Pflanzen spaeter erspaehen wir die Huette aus weiter Entfernung. Grandioser ist der Anblick des Gletschers schraeg gegenueber, den wir morgen angehen werden. In der Huette angekommen verwoehnen wir uns mit Schokolade, Trockenfruechten und Tee auf der Sonnenbank. Ist wirklich ein herrliches Fleckchen und ich bin froh hier 2 Naechte bleiben zu duerfen. Und es ist alles da: fliessend Wasser, Toiletten, Hochbetten und in der Mitte steht ein gusseiserner Ofen. Letzterer erfreut unsere Schuhe immer mit wohliger Waerme, sodass wir morgens nicht in kalte nasse Schinken schluepfen muessen. Schlafenszeit verschiebt sich mittlerweile nach vorne......20h ist oft schon zapfenstreich und das mit vollstaendiger 11-12h Schlafgarantie!!!
Tag 3
Aufwachen - herrlich! Es ist zwar gerade 7 Uhr, aber ich hab geschlafen wie ein Murmeltier! Wie gesagt: herrliche Huette! Kurzes Fruehstueck und dann geht es auf den Cascade Sattel vor dem Gletscher, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe. Durch kleine Baeche durchwaten, ueber Steine klettern und die Steinmarkierungen beachten, die den Weg gen oben markieren. Zuerst liegt er in der Ferne, dann sieht man das gewaltige Ausmass seines Seins: Ein Eisstrom windet sich den Berg hinab, teilweise bedeckt von Geroell und Schutt sodass es eher nach einem Stueck Berg als nach Eis aussieht. Der Aufstieg nimmt Zeit und Kraft in Anspruch und den gleichen Weg muessen wir spaeter wieder zurueck. 800 Hoehenmeter x2. Das Gepaeck fuehlt sich dafuer heute richtig schoen leicht an - ein Segen! Wir haben viel Spass dabei, Gerd ist recht gespraechig - der in Wuerzburg studierte Grundschullehrer. Obwohl es heute etwas neblig ist haben wir einen tollen Ausblick ins Nachbartal. Es geht fast 1000m runter und so lassen sich natuerlich sehr faszinierende Abgrundbilder machen (kleiner scherz, natuerlich sichere bilder). Und natuerlich wieder: Lunch mit Tee. Meine Patrone ist so gut wie leer...aber so zeigt sich mal wieder, das deutsche eben am Besten ausgeruestet sind, nicht umsonst hat Gerd 2 auf der Tour dabei. Immer das gleiche, wenn man etwas braucht, an das keiner gedacht hat, so haben es meist die deutschen dabei - Empirie im alpinen Bereich. Der Abstieg zieht sich hin, ist muehsam und wir drei sind ziemlich wortkarg. Den selben Weg zurueck laufen den man gekommen ist, ist ziemlich bescheiden. Bevor es anfaengt zu regnen erreichen wir die Huette und unsere wohlverdiente Suppe. Ausser uns beleben Amerikaner, Israelis, Belgier und Briten das Huettenspiel. Ein Schotte traegt somit zur Belustigung des Abends bei und wie ich spaeter erfahre hatte er wohl nach traditionell britischer Art eine Literflasche Whiskey hier hoch getragen......
Tag 4
Aufbruch und Hut verlassen um den vorletzten Tag zum letzten Hut geniessen. Durch den Regenwald nahe am Fluss, eine Landschaft wie im Bilderbuch! Natalis Schuhsohle hat sich groesstenteils verabschiedet, so richtig ausgeruestet ist sie nicht fuer eine Huettentour. Aber sie ist tough und beschwert sich nicht. Gerd und ich haben dafuer so ziemlich alles dabei, was man nicht vergessen kann. Lunch in der Ebene auf einem Felsen mit herrlichen Blicken (siehe Fotoseite). Endlich am Hut angekommen gibt es heute verdammt viele Sandflies, sodass wir die Huette nicht mehr vor dem naechsten Tag zum Fuesse vertreten verlassen. Die Viecher beissen alles, was sich bewegt - ungluecklicherweise. Und man sieht sie nicht immer auf Anhieb - aber man spuert sie. Der Abend ist richtig lustig. Die beiden Englaender sind heute Nacht drinnen, die beiden Israeli stellen sich als gespraechiger und netter heraus als man angenommen haben koennte....
Tag 5